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Die Weisheitslehre des Budo
Budosophie ist ein von mir geprägter Begriff, unter dem die Lehre des Budo sowie seiner transzendenten Inhalte zu verstehen ist.
Der Bezug des Budo zum bzw. die Reduzierung auf den Sport ist erst im 20. Jahrhundert entstanden. Die europäischen und asiatischen Gesellschaften entwickelten sich mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Schwerpunkten, was ebenso differente Weltbilder und Mentalitäten zur Folge hat. Während bei der einen eher eine diskursive Ausrichtung zu finden ist, findet sich in der anderen eher eine über intuitivem Aspekt.
Was das Budo betrifft, wird in der westlichen Hemisphäre eher versucht, eine verstandesmäßige Grundlage des Budo im Sinne einer Sportart zu schaffen. Dieser Prozess hat sicherlich seine Vorteile, allerdings resultiert daraus auch die Gefahr einer Überbewertung des Rationalen und damit einer zwangsläufigen Vernachlässigung bzw. gar Nichtbeachtung der seelischen Erfahrungsgebiete.
Die Folge der Reduzierung auf den Sport und damit die Entfernung transzendenten Gedanken- und Erfahrungsguts bedeutet allerdings, die gerade wesentlichen Entwicklungsbestandteile des Budo herauszunehmen und es in ein bloßes Streben nach immer weiter, höher und schneller umzuwandeln.
Wie bereits erwähnt, wurden jedoch ursprünglich im Budo die bestehenden Beziehungen zwischen Ethik, Religion und Philosophie in einer ganzheitlichen, sehr direkten Weise vertieft. Vor diesem Hintergrund geht es im Kern des Budo nicht um einen äußeren, physischen Wettstreit bzw. Kampf anderen Menschen, sondern vielmehr um den Kampf mit sich selbst und die Überwindung eigener Unzulänglichkeiten, um Frieden bei und Meisterschaft über sich selbst zu erlangen.
Körperliche Kampfsportarten sind nicht grundsätzlich Voraussetzung, um Budo zu verstehen und zu leben. Zwar mögen Wettstreit und sportliche Betätigung ein hilfreicher Aspekt sein, jedoch ist das “Do“ entscheidender. Erst durch das „Do“, also dem Weg, der Methode bzw. der Lehre, kann das Wesen des eigenen Geistes und des eigenen ICH verstanden werden. Insofern sind die Kampf-Sportarten nur ein Teil, lediglich ein körperliches Fragment eines Gesamtbildes, bei deren Betätigung sich das Verständnis für den geistig-philosophischen Aspekt erst im Laufe der Zeit entwickelt.
Die Übung über den Weg des Unbewussten, z.B. der Meditation, ist im Budo von zentraler Bedeutung. Dieser kann gerade in den alltäglichen, ständig wiederkehrenden Situationen geübt und gelebt werden. um durch diese alltägliche Übung der Vervollkommnung bestimmte Lebensenergien/-einstellungen zu erwecken und zu entwickeln, um auf diesem Weg eine geistige und moralische Reife zu erreichen.
Bestrebungen, als Europäer einen asiatischen Geist zu imitieren, halte ich nicht nur für wenig hilfreich, sondern sogar für falsch. Auf dem Fundament und den Wurzeln unserer Kultur, unserer Mentalität und unserer geistigen Ausprägung sollte das übernommen werden, was seelisch adaptiert werden kann. Weiteres sollte asiatischer Mentalität überlassen bleiben.
Ich bin davon überzeugt, dass Wege wie Budo gerade in unserer heutigen modernen und schnelllebigen Technik- und Informationsgesellschaft immens wichtig sind, um auch zur Ruhe in sich selbst zu finden.
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Das Schälchen Reis
Vor langer Zeit besuchte einmal ein Europäer einen alten japanischen Budo-Meister, der zugleich auch ein Zen-Philosoph war, in seinem japanischen Heim. Zu einer bestimmten Zeit entschuldigte sich der japanische Meister sehr höflich von seinem Gast und bemerkte, er müsse ein Schälchen Reis auf den kleinen Altar in seiner Wohnung stellen, um seinem verstorbenen Vater auf diese Weise Nahrung zu reichen.
Darauf antwortete der Abendländer: “Glaubst du denn wirklich (sie waren gut befreundet), dass dein Vater kommen wird, um den Reis zu essen?“
Worauf der Meister lächelnd entgegnete: “Er kommt in demselben Moment, um an den Blumen zu riechen, die du auf sein Grab gestellt hast.“
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